Bei der Erstellung des Businessplans und des Budgets waren sich die Verantwortlichen bewusst, dass die Projektkosten so tief wie möglich gehalten werden müssen. Die Dimension und Komplexität des Projekts erfordern jedoch ein hohes Mass an Management und Koordination. Im Verhältnis zum Resultat bietet das Projekt ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Gratis geht es jedoch nicht! Die Projektkosten werden unter den Kooperationspartnern aufgeteilt. Je mehr Partner sich beteiligen, umso kleiner können die Beträge sein, die die einzelnen Partner aufbringen müssen. Grundsätzlich steht es jedem Partner frei, die Höhe seines Beitrags selber zu bestimmen (Einschränkungen gibt es beim Abschluss einer Leistungsvereinbarung). Um jedoch eine Egalität unter den Partnern zu gewährleisten und die Interessenlagen im Projekt nicht zu verzetteln, wird eine möglichst homogene Aufteilung der Kosten unter den Partnern angestrebt. Da die Verbände im Zuge der Projektarbeiten Schulungsprogramme, IT- und andere Dienstleistungen aufbauen können, kann der Beitrag zum Projekt NURSING data auch als Investition qualifiziert werden. Jedem Verband wurde ein Finanzierungsvorschlag unterbreitet, der sich an der Grösse sowie der Finanzstärke des jeweiligen Verbandes orientiert.
Die Möglichkeiten, Kapital durch andere Produktionsfaktoren zu substituieren, sind beschränkt. Im Grossen und Ganzen benötigt das Projekt die im Budget vorgesehenen Geldmittel. Naturalleistungen können diese nicht ersetzen, hingegen ergänzen. Die Partner werden daher angeregt, Naturalleistungen zusätzlich einzubringen. Beispielsweise durch aktive Teilnahme in Projektgruppen, Zur-Verfügung-Stellung von Infrastruktur, Test-Daten, etc. Die Devise lautet hier: Je mehr aktive Mitarbeit umso grösser die konkrete Mitgestaltungsmöglichkeit.
NURSING data impliziert ein Vorgehen in zwei Phasen: In der ersten Phase erfolgt die Definition und Standardisierung der Daten. Dies geschieht auf Ebene der Verbände und setzt deren finanzielle Mitwirkung voraus. Die Mittel stammen in aller Regel aus den Mitgliederbeiträgen. Die einzelnen Betriebe werden in diesem Schritt nicht belastet. In der zweiten Phase (nach Abschluss der Projektarbeiten) setzen die Betriebe die Resultate von NURSING data um. Hierbei fallen ihnen Kosten für Infrastruktur und Ausbildung an. Der Einsatz der Verbände kann in dieser Phase durch das Anbieten von Schulungen, Datenverarbeitungen, etc. wett gemacht werden.
Es trifft zu, dass die Beschaffung und Verarbeitung von Informationen ein Kostenbestandteil der Leistungserbringung ist und grundsätzlich über den Preis abgegolten wird. Dies ist grundsätzlich auch im Gesundheitswesen der Fall, auch wenn es zu bedenken gilt, dass die von den Versicherern bezahlten Tarife in der Regel nur einen Teil der Kosten der Leistungserbringung oder nur einen spezifischen Teil der Leistungen abdecken. Mit NURSING data wird jedoch nicht die Beschaffung und Verarbeitung der Informationen finanziert, sondern die Standardisierung und Vervollständigung. Die Kosten, die den Leistungserbringern hierdurch entstehen, fallen auf Verbandsstufe (H+, Forum, Spitex-Verband) an und sind nicht tarifwirksam.
Die laufenden Erhebungs- und Informationsbeschaffungsaktivitäten verschlingen jetzt schon Unsummen. Eine strukturierte, seriöse Ausbildung ist schwierig, da es keine Standards gibt. Jeder wird "ad hoc" geschult und beherrscht - wenn überhaupt - nur ein einziges System. Der Datenhunger von Aufsichtsbehörden, Versicherern, Betriebsmanagement u.a. ist ungebremst. Ohne die Konsolidierungsanstrengungen von NURSING data wird sich der Aufwand zur Informationsbeschaffung und -verarbeitung auf ein Mehrfaches der durch NURSING data ausgelösten Kosten belaufen.
Neben der Finanzierung durch die Kooperationspartner stand auch die Finanzierung über Forschungsprojekte (Wissenschaft) oder Sponsoring (Industrie) zur Diskussion. Eine (Teil-) Finanzierung als Forschungsprojekt schlug fehl, da weder der Nationalfonds noch andere externen Geldgeber Interesse zeigten (den Einen war NURSING data zu praktisch, den anderen zu theoretisch). Auf ein Sponsoring durch die Industrie (z.B. Pharmabranche) wurde aus Interessensgründen verzichtet. Zum einen würden sich die Loyalitätskonflikte innerhalb des Projekts zuspitzen (wer zahlt befiehlt), zum Anderen gelingt eine Identifikation mit den Ergebnissen nur über eine Beteiligung der Betroffenen.
Das Projekt NURSING data wird in jedem Fall realisiert und mündet schliesslich in einer oder mehreren Bundesverordnungen, welche die von NURSING data definierten Standards verbindlich vorschreibt. Zusätzliche Rechtsetzungen auf kantonaler Ebene sind möglich. Wirkt ein Leistungserbringer-Verband nicht mit, kann es sein, dass diese Standards nicht mit den Realitäten seiner Betriebe übereinstimmen, die ja je nach Bereich sehr unterschiedlich sein können. Zudem besteht keine Garantie, dass die Erhebungen in den Betrieben sinnvoll durchgeführt werden können und dass die eigenen Bedürfnisse der Leistungserbringer bezüglich Daten und Informationen abgedeckt sind. Die Gefahr von Doppel- und Mehrfacherhebungen bleibt bestehen. Die Versicherer wiederum müssen, wie bis anhin, ihre Daten- und Informationsbedürfnisse auf separaten Kanälen befriedigen und eigene Erhebungen durchführen. Nebst den Kosten, die dadurch anfallen müssen die Versicherer kostspielige Verfahren und Massnahmen ergreifen, um die Daten zu überprüfen. Dies ist immer erforderlich, wenn die Datenerhebung und -aufbereitung ausschliesslich finanziellen Zwecken dient.
Grundsätzlich ist ein Einstieg in das Projekt auch nach der Startphase möglich. Wenn zu Beginn noch nicht das gesamte Projektkapital gesichert ist, ist dies sogar nötig. Die "Späteinsteiger" haben jedoch möglicherweise verminderte Chancen zur Mitgestaltung, da die Sitze im Lenkungsausschuss schon vergeben und weichenstellende Entscheidungen bereits gefällt worden sind.
zurück zu den vorangehenden Fragen/Antworten!