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Martial Barbier, Ökonom
In den PCS-News Nr. 28 (1) präsentierte Wolfram Fischer (2) in einem Artikel seine Studie (3) über die Schwierigkeiten, Vergleiche zwischen Cost-weights anzustellen. Der Autor hat zu diesem Thema im Oktober 1997 (4) an der 13. Internationalen Konferenz von PCS/Europa in Florenz auch einen Vortrag gehalten.
Nach Meinung der in Florenz anwesenden Experten sind die Arbeiten von W. Fischer zwar sehr interessant, doch stellt sich beim Ausdruck Vergleich ein methodisches und ein mit der Grundhypothese zusammenhängendes Problem. Die Grundhypothese lautet folgendermassen: "Falls das Verhältnis zwischen relativen Werten von Fallgruppen tatsächlich die effektiven Kosten wiedergibt, müssen diese relativen Werten in sämtlichen Patientenklassifikationen identisch sein". Ausgehend von dieser Grundhypothese zeigt W. Fischer, dass das Verhältnis zwischen zwei gleichen Gruppen aus zwei Klassifikationen deutlich verschieden ist. So variiert zum Beispiel das Verhältnis zwischen der Appendektomie und dem Leistenbruch von 1.07 für die PMCs, 1.2 für die AP-DRGS bis zu 1.47 für die HCFA-DRGs. Daraus schliesst er, dass es notwendig ist, die "Produkte" zu beschreiben und die Cost-weights nach Population zu berechnen.
Ohne die Richtigkeit dieser Berechnungen in Frage stellen zu wollen, ist festzuhalten, dass die erzielten Resultate nicht erstaunlich sind und auch gar nicht anders ausfallen können, einfach weil der Vergleich von Cost-weights unter Klassifikationssystemen von Grund auf falsch ist.
Denn selbst wenn die verglichenen Klassifikationssysteme auf einer identischen Kodifizierung basieren, zum Beispiel auf der ICD-9-CM, so sind die Algorithmen, welche die Zuteilung der Kodes und die Berücksichtigung von Nebenwerten (Alter, Gewicht, Komplikation, Komorbidität...) ermöglichen, nicht identisch. Findet sich in zwei Klassifikationen eine Gruppe gleichen Namens, so kann diese demnach eine ganz andere Pathologie und ganz andere damit verknüpfte Behandlungen aufweisen (5).
Zudem wurde jedes Klassifikationssystem im Rahmen genauer Zielsetzungen entwickelt; einige haben eine eher finanzielle, andere eine eher medizinische oder qualitative Ausrichtung. Die Bedeutung, die bestimmten Parametern beigemessen wird, ist total verschieden, wie beispielsweise das Gewicht der Komorbidität.
Bei der Anwendung von Cost-weights zu finanziellen Zwecken oder für das Benchmarking werden nur die Werte ein- und desselben Klassifikationssystems berücksichtigt – eine elementare Vorbedingung für jeglichen Vergleich.
Folglich sind es nicht die Cost-weigths verschiedener Klassifikationssysteme, die man vergleichen und analysieren muss, sondern die relativen Werte von Populationen, die von ein- und derselben Klassifikation zusammengefasst werden, insofern die folgenden Bedingungen beachtet werden: Qualitätskodifizierung, grosse Menge von Fällen für jede Gruppe und Kenntnis der Regeln für die Bearbeitung von Grenzwerten. Die Kostenberechnungsmethoden sind weniger wichtig, da unter den Institutionen schwerlich Einheitlichkeit bestehen kann und da zudem die eigenen Strukturen jeder Organisation Einfluss auf die effektiven Kosten haben können. Das spielt keine grosse Rolle, wichtig ist es, innerhalb einer Auswahl einheitliche Regeln und Fälle in genügender Zahl zu haben. Dann wird nur noch das Verhältnis zwischen den Gruppen verglichen und nicht die effektiven Zahlen.
So gesehen lässt sich die Hypothese von W. Fischer teilweise bestätigen, wenn man sie auf dasselbe Klassifikationssystem anwendet. Es gibt daher in der Tat keinen wesentlichen Grund dafür, weshalb in ein- und demselben Klassifikationssystem die Verhältnisse zwischen den Gruppen deutliche Unterschiede aufweisen sollten, selbst mit heterogenen Verrechnungs- und Berechnungspraktiken, die aber unter den Listen von Vergleichswerten homogen sind; eine Hypothese, die beispielsweise unter den australischen und den amerikanischen Werten (6) zu über 90% bestätigt wurde.
Martial Barbier, Ökonom
Referenz
(1) Dezember 1997, S.4-5. (Back)
(2) lic. Oec. HSG, Zentrum für Informatik und wirtschaftliche Medizin, CH-9116 Wolfertswil (Back)
(3) Fischer W. Patientenklassifikationssysteme zur Bildung von Behandlungsfallgruppen im stationären Bereich, BSV/ZIM, 1997, S. 365ff. (Back)
(4) Fischer W. E44-Comparison of cost-weights of proportions of different PCS, Proceeding Book, 13th International Working Conference, 1.-3. Oktober 1997, S. 230-234. (Back)
(5) Zum Beispiel: 3M, Design and Development of the All Patient Diagnosis Related Groups (AP-DRGs), v.12 und Fischer W. Patientenklassifikationssysteme zur Bildung von Behandlungsfallgruppen im Stationären Bereich, BSV/ZIM, 1997, S. 179-199 (Back)
(6) KPMG Adelaide, National Costing Study, Summary Report, 1993, S. 9-11 (Back)