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von Wolfram Fischer
Mitte November war ich auf einer Vortragsreise in Italien (in Florenz und Bozen), um verschiedene Modelle zur Patientenklassifikation vorzustellen. Wir diskutierten Konstruktionsprinzipien, Inhalte und Kostengewichte verschiedener etablierter und neuerer Modelle aus Amerika und Europa.
Den Anstoss für die Anfrage zur Reise gab die Einführung von Diagnosis Related Groups (HCFA-DRG's der Version 10.0) in Italien in den Jahren 95 und 96. DRG's werden vorerst zur fallpauschalen Verrechnung von ausserregionalen ("ausserkantonales") Patienten eingesetzt. In weiteren Schritten ist z.B. in der Autonomen Provinz Südtirol geplant, auch die Patientenflüsse zwischen den 4 Versorgungsregionen der Provinz aufgrund von DRG's zu bewerten. Ebenfalls möchte man die Budgets der Kliniken entsprechend der Leistungsmessung nach DRG's zuteilen.
Die neuen Regelungen gelten vorerst für Akutpatienten. Es ist aber vorgesehen, 97 auch leistungsorientierte Modelle für die Vergütung der stationären Rehabilitation (z.B. basierend auf den Functional Related Groups FRG's) und für Langzeitpatienten (z.B. Tagessätze nach DRG-Major-Diagnostic-Categories MDC) zu entwickeln. Bezüglich Tagespatienten soll ein Modell geschaffen werden, dass zwischen Ein-Tages-Behandlungen und zyklischen Behandlungen unterscheidet.
Einige Hintergrundinformationen: in Italien wurden in den 80iger Jahren die Krankenkassen abgeschafft. Es wurde ein nationaler Gesundheitsdienst nach englischem Muster geschaffen. Die Provinzen wurden in Versorgungsregionen aufgeteilt. Zu jeder Versorgungsregion gehört eine Sanitätseinheit (SE), die einerseits die öffentlichen Spitäler finanziert und andererseits die nötigen Leistungen für die Bewohner einkauft. Diese Lösung wird von den Verantwortlichen der SE insofern als ideal betrachtet, als nun eine gute Übersicht über die Aufgaben vorhanden ist, die Verantwortung wird von einer einzigen Person, dem SE-Manager, wahrgenommen. Allerdings sah man sich zu Beginn der 90iger Jahre angesichts der steigenden Kosten gezwungen, Wettbewerbselemente einzuführen. Man begann - gestaffelt ab 93 - einen Fallrekord (Minimaldatensatz für stationäre Patienten) einzusetzen. Nun war man in der Lage, die Leistungen der Krankenhäuser nach DRG's zu messen. -
In Italien besteht seit Juni 96 ein nationaler DRG-Tarif. Die Provinzen sind frei, für ausserregionale Patienten diesen Tarif oder eigene (zukünftig, niedrigere) Werte anzuwenden. Im Südtirol hat die Regelung, Krankenhausklassen mit unterschiedlichen DRG-Tarifen anzuwenden, grosse Wellen geworfen. Für 96 wurde vorläufig bestimmt, für das Zentralspital den nationalen Tarif +5%, für 4 mittlere Kliniken den nationalen Tarif -10% und für 3 kleinere Kliniken und eine Privatklinik den nationalen Tarif -25% anzuwenden.
Für weitere Tarifrunden ist vorgesehen, ausgewählte DRG's kostenmässig zu bewerten. Bisher sind die Kostengewichte von der amerikanischen Maryland-Datenbank und deren Anwendung in 8 Referenzspitälern abgeleitet worden. - Für Betriebsvergleiche sind nicht nur Case-Mix-Vergleiche, sondern auch Vergleiche von DRG-Profilen nach Abteilungen vorgesehen.
Wolfram Fischer
Wolfram Fischer, bien connu des lecteurs de PCS News, sortira prochainement un ouvrage important traitant des systèmes de classifications des patients pour la formation des groupes de patients traités dans le secteur stationnaire. Cet ouvrage paraîtra dans le courant de février 97 en langue allemande; une version française est envisagée pour plus tard (publication par l'OFS).
"Patientenklassifikationssysteme zur Bildung von Behandlungsfallgruppen im stationäre Bereich, Prinzipien und Beispiele."