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PCS News 24, Oktober 1996 

PLAISIR: Messung der Bedürfnisse von Heimbewohnern und -bewohnerinnen

von Anne Berthou

Koordinierte Tests in den Westschweizer Kantonen

Die Arbeitsgruppe, die vom GRSP mit einer Studie der Instrumente zur Messung des Arbeitsaufwandes (1) in Altersheimen, die am besten unseren Besonderheiten angepasst sind, betraut wurde, hat ihren Bericht 1994 vorgelegt. Aus diesem Bericht geht PLAISIR (2) als das passendste Instrument hervor. PLAISIR ist ein Instrument zur Messung der Bedürfnisse und betont deshalb mehr die für den Zustand des Bewohners erforderliche Pflege als die erbrachte Pflege.

Messung der Bedürfnisse

In der Industrie werden die Bedürfnisse seit Jahren mittels unzähligen Marktstudien und Umfragen gemessen, um die Produktion ständig den Bedürfnissen des Marktes anzupassen. Dies ist noch nicht der Fall in der Gesundheitsökonomie, wo man weiterhin unbeirrt das Angebot misst, die Nachfrage jedoch kaum berücksichtigt. Von daher rühren die aktuellen Überkapazitäten des Systems, die wegen fehlender Instrumente zur Messung der Bedürfnisse so schwierig abzubauen sind. Wegen der reichlich fliessenden finanziellen Mittel bestand bis Anfang der 90er Jahre kein Anlass, solche Instrumente zu entwickeln. Nun, da diese Mittel immer knapper werden, muss gemessen werden, um auch bei Ressourcenreduktion Gerechtigkeit zu bewahren.

CHORUS: Koordiniertes Vorgehen

1995 haben die Kantone der CRASS (3) grünes Licht für eine PLAISIR-Testserie in einer gewissen Anzahl Institutionen aus beinahe allen Westschweizer Kantonen (4) gegeben. Diese Testserie wird parallel und in Koordination mit der Anwendung der Methode PLAISIR im "Massstab 1:1" in allen waadtländischen Altersheimen durchgeführt. Diese breite Aktion unter dem Titel CHORUS (5) die im Frühjahr mit der Ausbildung von 25 Pflegenden aus den betroffenen Einrichtungen zu Evaluatoren begann, befindet sich derzeit in der Durchführungsphase. Sie wird gefolgt von Bedürfnisevaluationen bei den HeimbewohnerInnen, die mittels eines einheitlichen Rasters und bezüglich eines gemeinsamen Standards durchgeführt werden.

Technische Supervision

Die gesammelten Daten werden zuerst innerhalb der Einrichtung anonymisiert und dann zentral ausgewertet. Eine technische Kommission wacht über den Schutz und die Vergleichbarkeit der Daten, der - auch mit einem alleinigen Instrument - grosse Aufmerksamkeit zukommen muss, damit die vielfältigen kantonalen und regionalen Bedingungen berücksichtigt werden. Um eine gute Koordination zu gewährleisten, sitzen in dieser Kommission VertreterInnen aller teilnehmenden Kantone ein.

Welche Resultate werden erwartet?

Zuallererst: vergleichbare Daten! Alle in der Wirtschaft Tätigen anerkennen die Wichtigkeit, Gleiches mit gleichen Einheiten zu messen.

Es ist die französische Revolution, die einen der ersten Durchbrüche in diesem Bereich erzielte: das metrische System und sein Symbol, der beim Institut des Poids et Mesures hinterlegte Meter. Zweihundert Jahre später ist ein solcher Durchbruch im Gesundheitswesen jedoch noch nicht zu verzeichnen. Die Schweiz weist hier einen beträchtlichen Rückstand auf, da sie erst vor zwei Jahren begonnen hat, mit Müh und Not ein nationales Gesundheitsinformationssystem aufzubauen!

Das Projekt CHORUS wird zum ersten Mal vergleichbare Daten über den Betreuungsaufwand in den teilnehmenden Einrichtungen aus 7 Kantonen liefern. Es wird auch ev. Unter- und Ueberkapazitäten messen können und in diesem Sinne eine bessere Anpassung der Mittel an die Bedürfnisse erlauben.

Zur Stunde des KVG wird es, gemäss den Kategorien der KLV, die individuellen Bedürfnisse an Pflege und anderen Dienstleistungen (die für die Krankenkassen unerlässlich sind) in Stunden und Minuten liefern. Es wird auch möglich sein, von diesen Angaben den Grad der Pflegeabhängigkeit abzuleiten, was CHORUS auch für das BSV interessant macht.

Es muss betont werden, dass PLAISIR den Verantwortlichen der Einrichtungen und Netze reichhaltige Informationen zur Verfügung stellt: Die Resultate werden in Pflegeminuten pro Heimbewohner geliefert und ermöglichen so die Erstellung von 8 bis 11 Klassen, wodurch sich PLAISIR als ein leistungsfähiges Klassierungsinstrument erweist, das sowohl für die Planung als auch für die Finanzierung verwendet werden kann. Zusätzlich liefert es auf indirektem Wege Pflegepläne, ein weiterer wichtiger Aspekt einer qualitativ hochstehenden Betreuung. Schliesslich bestimmt es genau die nötige Personaldotation unter Berücksichtigung des Pflegeaufwandes und der in der Einrichtung gültigen Arbeitsbedingungen.

"Ueber Indikatoren zu verfügen, die die Verwaltung der Humanressourcen angesichts der Kundenbedürfnisse erlauben, ist ein tägliches Muss für die Verantwortlichen...", schrieb C. Leckie (6) bereits 1992.

Wir sind voll und ganz damit einverstanden!

Anne Berthou

 

(1) Messung des Pflegeaufwandes, Arbeitsgruppe GRSP unter der Leitung von Anne Berthou

(2) Planification informatisée des Soins Infirmiers Requis, von Prof. Ch. Tilquin und seinem Team in Quebec entwickelte Methode

(3) Conférence Romande des Affaires Sanitaires et Sociales

(4) VS, NE, FR, JU, BE, GE

(5) Für: choeur unis des cantons participants

(6) In Tribune du GHRV, No. 2