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von Wolfram Fischer
Mitte April fand in London ein internationaler Workshop über PCS-Modelle mit Gästen aus den USA, Hongkong, Schweden und der Schweiz statt. Der Workshop sollte Impulse für die Weiterentwicklung der englischen Health Benefit Groups (HBG) geben. HBG's gruppieren Patienten mit ähnlichen gesundheitlichen Problemen, àhnlichen Behandlungsbedarf und womöglich auch mit ähnlichen zu erwartenden Behandlungsresultaten. Die HBG's sind eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Health Ressource Groups (HRG), einer DRG-Variante. Während die HRG's die Behandlungen abbilden sollen und so dem Leistungserbringer zur Überprüfung der Fallkosten dienen, bilden die HBG's den Behandlungsbedarf aus der Sicht der Leistungseinkäufer ab. Beide Systeme werden in einer Matrix verknüpft (siehe unten).
| Health Benefit Groups | Aktionen | |||
| Probleme Bedarf Ergebnis | Präventionen | Diagnostik | ||
| Risiko der Erkrankung | ||||
| Symptome | ||||
| Diagnosen (nach Stadien) | ||||
| Krankheitsfolgen | ||||
Prof. Joe Gonella aus den USA, Vater des Disease-Staging-System, postulierte, dass z.T. sehr verschiedene Diagnosen (oder auch DRG's!) als Stadien ein und derselben Krankheit gesehen werden müssen. - Nicht die Diagnosen allein, auch das Verhältnis des Patienten zu seinen gesundheitlichen Problemen und deren Folgen bestimmen des Behandlungsaufwand wesentlich, sagte Lennart Carlsson aus Schweden. Das Alter allein sei kein Grund für eine ärzliche Behandlung. - Einen recht alternativen PCS-Ansatz präsentierte Dr Hong Fung aus Hongkong mit den Patient Related Groups (PRG); Diese gruppieren Patienten - und nicht Fälle! - nach gemeinsamen Sets von Behandlungsrichtlinien und Ergebnisindikatoren. Der ganze Behandlungsverlauf, d.h. Behandlungen aller beteiligten Leistungserbringer, wird einbezogen. - Nebst Diagnosen sind auch Skalen wichtig, die eine Veränderung des gesundheitlichen Zustandes erkennen lassen, z.B. die GAF-Skala (Global Assessment of Functioning Scale), die Dr Bo Ivarsson bei psychiatrischen Patienten verwendet. Er koordiniert das internationale Projekt CHAINE (Comprehensive Hospital and Ambulatory Care Information Networking for Episode Linkage), das ebenfalls versucht, Behandlungen zu verknüpfen und das Gesamtergebnis zu beurteilen. - Wolfram Fischer aus der Schweiz wies in seinem Überblick über Konstruktionsprinzipien von Patientenkategorisierungssystemen darauf hin, dass Probleme, Ziel, Ergebnisse und auch Prognosen, Risiken und Chancen als verschiedene Sichtweisen auf aktuelle und zukünftige Patientenzustände verstanden werden können. Deshalb sind sie auch mit dem gleichen Modell einer Zustandsbeschreibung abbildbar.
Wolfram Fischer
Zentrum für Informatik und wirtschaftliche Medizin - Sommer 96