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PCS News 21, November 1995

DAS POTENTIAL EINES GUTEN SPITAL-INFORMATIONSSYSTEMS

von Jean-Claude Rey

Im Moment, wo die neuen medizinischen und anschliessend die neuen administrativen Statistiken, die eine Kostenträgerrechnung pro Patient enthalten, in der Schweiz eingeführt werden, muss man sich die Frage stellen, welche Vorteile die Spitäler davon haben. Sind diese Verordnungen ausreichend, oder muss das jeweilige Spital sie vervollständigen?

Die Rolle der Information in einem Spital ist je länger je mehr erkannt. In Frankreich ist die Einsetzung eines Arztes als Direktor für medizinische Information (DIM) ein Beispiel hierfür, das bereits interessante Resultate zeitigt. Eine anderes Beispiel: Das eingeführte Informationssystem ermöglichte, die Kosten pro französische DRG sowie die Komposanten dieser Kosten (Honorare, Technik, etc.) zu eruieren.

Um eine Vorstellung vom Potential eines guten Spital-Informationssystems zu geben, haben wir ein auffallendes Beispiel gewählt, das an der unlängst stattgefundenen Konferenz der Direktoren für medizinische Information der amerikanischen Spitäler unter vielen anderen zitiert wurde.

Die nachstehenden Tabellen fassen den durchlaufenen Prozess, die Fülle der Informationen sowie die Fähigkeit dieser Informationen, Verhaltensweisen zu ändern, zusammen.

Der Verwaltungsrat des für unser Beispiel ausgewählten Spitals stellt fest, dass sie sich nach Jahren rentabler Geschäftstätigkeit in den roten Zahlen befinden. Er beauftragt also seinen Direktor für medizinische Information, das oder die Probleme zu lokalisieren.

Dieser sammelt nun alle verfügbaren Informationen. Er eruiert, welches die "produktivsten" Aerzte des Spitals sind (es handelt sich um ein in den USA häufig anzutreffendes, offenes Spital) und, dank der DRG, welches die häufigsten Diagnosen sind. Er hebt diejenigen Diagnosen, mit denen er Geld verdient (wo seine Kosten niedriger sind als die Rückerstattung des Zahlenden), hervor, bezeichnet diejenigen, bei denen das Spital Geld verliert und stellt fest, dass vor allem in einem Sektor die Aktivitäten rapide anwachsen, nämlich bei der Einsetzung von Schrittmachern, ein Bereich, in dem ein berühmter Chirurg operiert, einer der 'Stars' des Spitals. Alsdann zergliedert er die Grundkosten eines Eingriffes, vergleicht sie mit denen anderer Spitäler der gleichen Gruppe (bench marking) und stellt fest, dass die für eingesetzte Schrittmacher bezahlten Preise den Durchschnitt der anderen Spitäler bei weitem übersteigen.

Er berichtet dem Verwaltungsrat von seinen Beobachtungen, der ihn, angesichts des Wahr- heitsgehalts seiner Daten, ermächtigt, mit dem betroffenen Chirurgen darüber zu sprechen. Dieser löst das Problem, dessen er sich nicht bewusst war, sofort, indem er bei einem anderen Lieferanten einkäuft, der die gleiche Qualität zu einem niedrigeren Preis anbietet. Nun kann der Verwaltungsrat wieder gute Geschäftsergebnisse ins Auge fassen.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die auf Bundesebene getroffenen Massnahmen ausrei- chen, um das Spital mit einem ebenso leistungsfähigen Informationssystem auszustatten. Die Antwort ist, dass vor allem mehr interne Information nötig ist: Die Tabelle veranschaulicht das im oben beschriebenen Beispiel verwendete Instrumentarium.

Wenn sich auch verschiedene Elemente dieses Beispiels nicht ohne weiteres auf die Schweiz anwenden lassen, so lassen sie wahrscheinlich doch die Situation ahnen, die mit den Mass- nahmen des neuen KVG auf uns zukommt. Diese führt in der Tat genug Konkurrenz zwischen den Einrichtungen ein, um die Krankenkassen, die von der Konkurrenzsituation profitieren werden, für ein Spital-Informationssystem zu interessieren, das Probleme dieser Art meistern kann.

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