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von Jean-Claude Rey
Die Schweizer Spitäler haben kürzlich vom Bundesamt für Statistik das Konzept für das schweizerische Informationssystem im Gesundheitssektor erhalten. Auf der Grundlage des eidgenössischen Statistikgesetzes und der Verordnungen des KVG wird ein bisher in der Schweiz unbekanntes, neues Informationssystem entstehen, das die Informationstechnologien sehr stark nutzen wird. Dieses System wird sich in das 'Global village' integrieren, das in den 70er Jahren von Marshall McLuhan vorausgesehen wurde und an der Telecom 95 spektakulär in Szene gesetzt wird.
Was wird das für die verschiedenen Partner des Gesundheitswesens, die Spitäler, die Aerzte, die Verwalter, die kantonalen Gesundheitsämter, etc. heissen? Wenn die Frage auch schwierig zu beantworten ist, können einige Beispiele doch Teilanworten geben:
Unmittelbare Information: Sie existiert bereits in den Datenbanken der Dokumentation, wie der DOKDI, oder in den Dokumentationszentren des ISP, anderen Servern in der Schweiz oder auf Videotext, um nur einige Beispiele zu nennen: Die Anwender müssen an diese Netze angeschlossen sein und sie müssen meistens eine Zugriffsberechtigung oder eine veränderliche Gebühr bezahlen, je nach Konsultationsdauer.
Das Eindringen von Internet in dieses eher geschlossene System mit seinem komplexen Zugang verändert die Situation: nunmehr hat jede Person, die über einen mit einem Modem ausgerüsteten Computer verfügt, Zugang zu Internet und kann dort hunderte von Millionen von Informationen, einschliesslich aus seinem Bereich, finden.
Was die Patientenklassifikationssysteme betrifft, findet man im Internet z. B. die ständig aktualisierten australischen DRG's. So kann man mittels eines simplen Tastendrucks herausfinden, was die Durchschnittskosten für Labor oder Röntgenologie dieser oder jener DRG sind. Die HCFA (Health Care Financing Administration, Verwalter des Medicare-Systems), die die ICD-9-CM-Klassifikation publiziert, plant, die jährlichen Revisionen im Internet einzuspeisen. Diese können dann auf den eigenen Computer eingespiesen werden.
Indem man seinen eigenen Server anschliesst, können auch Informationen im Internet deponiert werden. So wird eine permanente Aktualisierung erlaubt, vorausgesetzt, man bringt seine eigenen Dokumente immer auf den neuesten Stand. Aus diesem Grund hat sich auch die PCS-Europe (Vereinigung, die alle europäischen Spezialisten dieses Bereichs verbindet) dazu entschlossen, alle wissenschaftlichen Kommunikationen ihrer letzten vier Jahreskonferenzen auf Internet zu verbreiten.
Dieser privilegierte Zugang zur Information kann auch benutzt werden, um "bench marking" zu machen, indem mit seinesgleichen verglichen wird. Zur Zeit wird ein Projekt zur Qualitätsförderung in den sozialmedizinischen Zentren studiert. Dies soll mittels allgemein vergleichbarer Daten, die auf einen Server übertragen werden, geschehen.
Eine Anekdote zum Thema: Ein junger Arzt konsultierte Internet im Auto mit Hilfe seines Natels auf seinem portablen Computer.
Unmittelbare Verarbeitung der Daten: In Kürze werden alle Schweizer Spitäler die medizinischen Statistiken anhand der international geltenden Klassifikationen erfassen. Erste Konsequenz: Für eine unmittelbare Verarbeitung der Daten können Softwareprogramme benutzt werden. Die Krankheiten und Operationen können dank eines Codierungshilfsprogrammes codiert und alsdann mit einem Zuteilungsprogramm gemäss den Wünschen des Spitals klassiert werden. Auf dem Markt findet man immer mehr integrierte Programme, die die Module zur Codierungs- und Zuteilungshilfe kombinieren und ein veritables Instrumentarium zur Spitalführung darstellen, besonders wenn sie zusätzlich mit der Kostenträgerrechnung verbunden sind. Mehrere dieser Softwareprogramme werden am 17. November im Inselspital an der Begleitausstellung zur Jahreskonferenz der schweizerischen Arbeitsgruppe für PCS (Titel: Krankenhausstatistiken und Patientenklassifikationssysteme: welche Möglichkeiten?), vorgestellt werden. Bis zum heutigen Tag haben effektiv 22 Aussteller ihre Teilnahme zugesagt.
Die Entwicklung der Telekommunikation revolutioniert auch den Bereich der Telemedizin.
In Frankreich beschreiben Allgemeinpraktiker festgestellte Diagnosen, über die sie zusätzliche Informationen benötigen, auf Minitel und erhalten die gewünschten Auskünfte und Kommentare innert kürzester Zeit von Medizinprofessoren, die diese Fälle ausserdem im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit verwenden. Einmal angeschlossen, wird die Konsultation mondial.
In Japan sind Katastrophenärzte mit hochempfindlichen Kameras ausgerüstet, die Bilder der Opfer via Satellit an die Spitäler senden, die ihrerseits die Anweisungen für die angemessensten, lebenserhaltenden Behandlungen live zurücksenden.
Eine Chance für die kleinen, bedrohten Spitäler?
Dank des 'informatisierten Hauses' könnten die Betagten viel länger zu Hause bleiben und aufgrund der Teleüberwachung von einer besseren Betreuung profitieren. Die Teleüberwachung erleichterte auch die Spitex-Pflege.
Dies sind nur einige unabhängige Beispiele, aber sie zeigen doch, dass die technologischen Entwicklungen im Informationsbereich das Gesundheitswesen vielleicht noch mehr revolutionieren werden, als alle Gesetze und Reglemente.
Für die Patientenklassifikationssysteme erscheinen uns die laufenden Entwicklungen besonders vorteilhaft, vor allem deshalb, weil sie eine immer raschere und leistungsfähigere Informationsverarbeitung am Ort, wo diese Information erfasst wird, ermöglichen. Die Information kann also wirklich genutzt werden und ihre Qualität verbessert sich rapide. Dies erlaubt eine bessere Verwaltung der Veränderung, was zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit jedes Gesundheitssystems beitragen sollte.
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